Als die Bilder tönen lernten ...

Als die Bilder tönen lernten, als die stummen Mimen Stimmen bekamen, da stellten die Produzenten und die Regisseure und die Dramaturgen fest, dass dem neuen Geschöpf Tonfilm trotz der Dialoge wie im richtigen Leben, trotz der echt natürlichen Geräusche etwas fehlte — die Seele des Gesanges. Und da sie alle keine bösen Menschen waren, sondern Menschen, bei denen man sich ruhig niederlassen konnte oder vielmehr sollte (auf den Kinositzen, und das bitte möglichst vollzählig), ließen sie umgehend das Lied zum Film erfinden, das einstimmende, das stimmige, das Stimmung machende Lied.

Es wäre nun abwegig zu unterstellen, dass sie sich ihrer kulturellen Tat bewusst waren, wo ihnen doch allein schon der kommerzielle Erfolg mehr als recht gab. Und dennoch — oder gerade weil er sich im freien Wettbewerb entfalten konnte — wurde der Filmschlager ein Stück Kulturgeschichte. Entstanden für eine bestimmte Situation, einem Star unverwechselbar auf Stimmbänder und Leib geschneidert, begannen die erfolgreichsten dieser Lieder doch sehr bald ein Eigenleben zu führen, weil sie nicht nur dem Film, sondern auch der Zeit — der guten und der schlechten — ihren Stempel aufdrückten. Darum sind sie bis heute faszinierende Belege einer Vergangenheit geblieben, die — das haben Evergreens so an sich — durch sie immer wieder gegenwärtig wird...

(Maurus Pacher)

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