Mackeben, Theo

(05.01.1897 - 10.01.1953)

Theo Mackeben ist einer der erfolgreichsten, aber auch mit seinen Werken künstlerisch gehaltvollsten deutschen Komponisten der Unterhaltungsmusik.

Am 5. Januar 1897 in Preußisch Stargard (Pommern) geboren, war er der jüngste von drei Söhnen des Garnisonsverwaltungs-Kontrolleurs Johann Mackeben. Theo erhielt bereits im Alter von 5 Jahren Musikunterricht, hatte 1910 sein erstes öffentliches Konzert als Pianist in Koblenz, wohin der Vater inzwischen versetzt worden war und wo dieser 1911 starb. Theo Mackeben studierte nach dem Abitur ab 1916 Musik am Konservatorium Köln, wurde Soldat und kurz darauf freigestellt, um am Warschauer Konservatorium u. a. beim ungarischen Klaviervirtuosen und Liszt-Schüler Joseph Weiß sein Studium fortsetzen und abschließen zu können. Tourneen führten ihn dann schon 1921 bis nach Ostasien; seine Laufbahn als Konzertpianist schien schließlich vorgezeichnet; ein schwieriges Unterfangen in den 20er Jahren trotz Können und Anerkennung.

1924 heiratete Mackeben die Tochter des Direktors der Berliner Volksbühne, Toni Neft, und erhielt im folgenden Jahr ein Engagement als Kapellmeister am Berliner Lustspielhaus, wo er „Eine Nacht in Venedig“ mit Richard Tauber dirigierte. Daneben entwickelte sich auch seine Neigung zum unterhaltenden musikalischen Genre – er arbeitete als Pianist der Frühgymnastik-Stunde des Rundfunks in Berlin und im Orchester Barnabas von Géczy beim Fünf-Uhr-Tee im Esplanade. Erste Kompositions- und Arrangementsaufträge folgten, und der 31. August 1928 wurde für Theo Mackeben wie für die Theaterwelt zu einem historischen Termin: Die Uraufführung von Brecht/Weills „Dreigroschenoper“ im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin unter seinem Dirigat. Mit der Verbreitung des Tonfilms kamen auch die ersten Filmmusik-Aufträge ins Haus. Mackeben engagierte sich hier zunehmend - er wurde zum Favoriten anspruchsvoller Filmregisseure wie Max Ophüls, Erich Engel, Gustaf Gründgens, Heinz Hilpert.

Einen Teil seiner bekanntesten und erfolgreichsten Filmmelodien vertraute Mackeben den Sikorski Musikverlagen an. Dazu zählt „Bel ami“ aus dem gleichnamigen Willi-Forst-Film mit dem Text von Hans Fritz Beckmann, von Theo Mackeben gar nicht eben gern und vielmehr „mit der linken Hand“ geschrieben, weil ihm die schwere und dramatische Musik weit mehr lag - und dann wurde „Du hast Glück bei den Fraun, BeI ami“ doch sein vielleicht bekanntestes Werk. „Frauen sind keine Engel“, in einer Bombennacht 1943 im Berliner Luftschutzkeller geschrieben, stand an Erfolg und an Popularität kaum nach. Ebenso die während des Krieges bereits riskante Polemik in der Film-komposition „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“, von Gustaf Gründgens in „Der Tanz auf dem Vulkan“ geradezu eindringlich und eindrucksvoll interpretiert. Zwar wurde Mackeben 1939 gleich zu Kriegsbeginn eingezogen, machte den Polenfeldzug mit, doch als er auf Heimaturlaub nach Berlin kam, erhielt er von der UFA die befreiende Nachricht, er brauche nicht mehr zur Front zurückzukehren. Man hatte inzwischen erkannt, dass Mackeben in der Unterhaltungsproduktion „kriegswichtiger“ war als an der Front. Und damit hatte ihn der deutsche Tonfilm wieder, für den er herrliche Melodien schuf wie „Von dir hab ich immer geträumt“, „Nächtliches Liebeslied“, „Wenn ich Musik hör, muss ich tanzen“, „Ich sage Ja“, „Für jede Frau gibt’s einen Mann auf Erden“, „Es ist so wunderschön“, „Immerzu muss ich an dich denken“, „Viva el Torero“.

Im Herbst 1942 lernte Theo Mackeben die Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin Loni Heuser kennen. Sie wurde seine zweite große Liebe und 1949 Mackebens zweite Frau.
Theo Mackeben versenkte sich in Größeres, wagte ernste Kompositionen. Eine Oper „Manuela“ entstand, deren Partitur in den Berliner Bombennächten verbrannte. Sein Lieblingsprojekt, die Oper „Rubens“, war bereits für die Uraufführung an der Berliner Staatsoper Unter den Linden vorgesehen, als diese ebenfalls in Schutt und Asche versank. Sein Klavierkonzert b-moll sowie die Sinfonische Ballade für Cello und Orchester erlebten in der Nachkriegszeit an der Berliner Staatsoper ihre glanzvolle Uraufführung. In dieser Zeit war Theo Mackeben zwei Jahre lang musikalischer Leiter und Kapellmeister am Berliner Metropoltheater. Dann belebte sich zwar die Filmindustrie auch allmählich wieder, doch es war nichts Tiefgründiges mehr gefragt. Die fünfziger Jahre brachten seichte Unterhaltung in die Filmtheater. So gab es neben der 1950 in Bonn uraufgeführten Operette „Die Versuchung der Antonia“ und vereinzelten Filmkompositionen keine ihn befriedigenden künstlerischen Aufgaben mehr.

Theo Mackeben begann noch 1952 die Arbeit an einer Operette „Bel ami“, deren Weiterführung und Vollendung von seinem Schlaganfall unterbrochen wurde. Als er am 10. Januar 1953 nur 56-jährig starb, hinterließ Theo Mackeben unzählige Melodien, die bis heute unvergessen sind und immer weiter leben werden.