Schröder, Friedrich

(06.08.1910 – 25.09.1972)

Musikalisch war sein Elternhaus nicht gerade: Vater Schröder übte den technischen Beruf eines Ingenieurs aus - er kam aus Westfalen, die Mutter aus Schwaben.

Friedrich Schröder wurde am 6. August 1910 in Näfels im Kanton Glarus in der Schweiz geboren, doch in Stuttgart wuchs er auf, besuchte dort die Schule und begann im Alter von sechs Jahren mit dem Violinunterricht. Bereits nach wenigen Jahren wirkte er im Streichquartett mit, und als im Orchesterverein ein Klarinettist fehlte, lernte Friedrich Schröder auch Klarinette. Das Klavier kam hinzu, und als er in Stuttgart sein Abitur machte, war seine berufliche Neigung längst festgelegt. Zunächst ging er nach Münster/Westfalen, studierte Musikgeschichte und hatte dort auch Gelegenheit, im Sinfonie- und Theaterorchester mitzuwirken. Ein rechter „Praxis-Lehrgang“, denn von der Klassik bis zur Moderne, von der Oper bis zur Operette lernte Friedrich Schröder die ganze Breite des musikalischen Genres kennen. Und schließlich begann er für das Orchester zu komponieren.

1929 wagte Friedrich Schröder den Sprung nach Berlin und studierte an der Hochschule für Musik weiter. Die finanzielle Unterstützung durch den Vater fehlte, als dieser 1933 starb und Schröder, inzwischen verheiratet, musste zunächst seine Zukunftspläne aufgeben. Seine Frau Lilo und er hausten in einem kleinen, schäbigen Berliner Hinterzimmer; er verdiente sich ein paar Mark als Notenkopist, während seine Frau Lilo als Dekorateurin arbeitete. Dann erhielt Friedrich Schröder 1939 die Chance, eine Operettenpartitur für das Metropoltheater in Berlin zu überarbeiten. Das gelang ihm so ausgezeichnet, dass der Chefdirigent Werner Schmidt-Boelke ihn als ständigen Arrangeur und dritten Kapellmeister engagierte. Seine Zufallsbegegnung mit Peter Kreuder bescherte ihm sowohl den Zugang zum Tonfilm wie seinen Durchbruch als Komponist. Für Kreuder schrieb er Filmmusik-Arrangements, wirkte auch als Co-Komponist bei mehreren bekannten Filmen mit, und als Peter Kreuder für den Curt-Goetz-Film „Sieben Ohrfeigen“ mit Lilian Harvey und Willy Fritsch kein Interesse zeigte, komponierte Schröder 1937 erstmals allein die Musik. Bald reihte sich in den nächsten Jahren eine Filmmusik an die nächste und immer mit erfolgreichen Melodien. 1941 z. B. für den Film „Immer nur du“, unter anderem die Evergreens „Man müsste Klavier spielen können“ und „Liebling, was wird nun aus uns beiden?“

„Mein Textdichter Hans Fritz Beckmann und ich waren abends zu einer Party eingeladen. Während ich etwas abseits stand, hatte Beckmann bald alle Damen um sich versammelt und war wieder mal „Hahn im Korb“. Nun wurde es langsam Mitternacht, ich setzte mich ans Klavier und begann zu spielen. Plötzlich kamen die Damen, eine nach der anderen, an den Flügel; als Hans Fritz Beckmann dann dazu kam, sagte er im Vorübergehen: ‘Ja, ja, mein Junge ... man müsste Klavier spielen können‘. Ich fand diese Zeile so großartig, dass ich später zu ihm sagte: ‘Da werden wir unbedingt ein Chanson draus machen‘. — Wenige Tage danach im Jahr 1941 bekam ich den Auftrag, zu dem Film „Immer nur du“ die Musik zu schreiben. Hans Fritz Beckmann war ein paar Tage nicht auffindbar — der Termin des Vorspiels der Hauptnummer rückte immer näher und war auf einen Freitagabend festgelegt. An diesem Tag traf ich ihn endlich um 9 Uhr an, holte ihn etwas unsanft aus dem Bett, drückte ihm Papier und Bleistift in die Hand und schickte ihn ins Nebenzimmer. Nach einer halben Stunde kam er mit dem kompletten Text „Man müsste Klavier spielen können“ heraus. Ich habe mich hingesetzt und hatte die Nummer gerade zu Ende komponiert, da ging die Tür auf, und er hatte den zweiten Text „Liebling, was wird nun aus uns beiden“ fertig. Er schien so in Fahrt gekommen zu sein, dass er alsbald wieder ins Zimmer zurückkam und vor Freude jauchzend rief „Die ganze Welt dreht sich um dich!“ Es war inzwischen 12 Uhr mittags, und wir hatten in drei Stunden diese Nummern geschrieben.“

1942 - noch läuft die Filmmusik auf vollen Touren; Friedrich Schröder schrieb die Musik zu den Filmen „Weiße Wäsche“ und „Die große Nummer“ mit dem Evergreen „Schön ist die Zeit der jungen Liebe“. Der Unterhaltungsfilm war „kriegswichtig“, seine Macher und Interpreten wurden UK gestellt - Schröder aber wurde eingezogen. Er war bereits als Kanonier in Rawitsch stationiert, als aus Berlin eines Tages Buch und Liedertexte für die Operette „Hochzeitsnacht im Paradies“ per Feldpost bei ihm eintrafen mit der Bitte, das Ganze möglichst schnell zu vertonen. Und auch das absolvierte Schröder einzigartig; in der Kleiderkammer zwischen verschlissenen Drillichanzügen und verschwitzten Socken komponierte er verträumte Liebeslieder und konnte dann im September 1942 nur nach Interventionen auf höchster Ebene nach Berlin fahren und im Metropoltheater die vielumjubelte Premiere seiner Operette mit Johannes Heesters, Hilde Seipp, Gretl Schörg, Ingeborg von Kusserow erleben. Dem unter der Stabführung von Franz Grothe gegründeten „Deutschen Tanz- und Unterhaltungsorchester“, das sich seit 1942 immer mehr etabliert hatte, fehlten Arrangeure. Man erinnerte sich des beim Militär „verschollenen“ Friedrich Schröder; bald nach der so erfolgreichen „Hochzeitsnacht“-Premiere erreichte man seine Freistellung, und er arrangierte und produzierte fürderhin mit diesem Orchester in Prag. Dort war er bis zum Ende des Krieges; er kam in ein Internierungslager, aus dem ihn noch im Sommer 1945 freundliche Musiker mit einem der ersten Krankentransporte nach Berlin schmuggelten. Der revuehafte Musikfilm war erst einmal tot, und Schröder widmete sich erneut dem Metropoltheater, für das er die beiden Operetten „Nächte in Shanghai“ und „Chanel Nr. 5“ mit seiner Musik zum Erfolg führte.

In den fünfziger Jahren folgten wieder zahlreiche Kompositionen für Filme, in denen große Namen von Heinz Rühmann bis 0. W. Fischer, von Marika Rökk bis Liselotte Pulver vertreten waren. 1955 erfuhr Friedrich Schröder für seine hervorragende kompositorische Tätigkeit die Verleihung des Paul-Lincke-Ringes. Im gleichen Jahr wurde seine Spieloper „Das Bad auf der Tenne“ in Nürnberg uraufgeführt. Und noch ein letztes Bühnenwerk entstand zwischen aller Filmmusik der fünfziger und sechziger Jahre bei dem vielbeschäftigten. inzwischen so erfolgreich gewordenen Komponisten: 1969 die Operette „Die Jungfrau von Paris“ für das Wiener Raimund-Theater.

Am 25. September 1972 starb Friedrich Schröder nach langer Krankheit in der Stadt seiner größten Erfolge, in Berlin. Nur 62 Jahre alt geworden, hatte er eine glanzvolle, eine erfüllte Karriere, und seine vielen Evergreens haben ihn um bereits ein Vierteljahrhundert überlebt und werden auch weiterhin - so insbesondere bei den SIKORSKI-Musikverlagen - gepflegt und mit Notenausgaben und CD-Aufnahmen am Leben erhalten und bleiben unvergesslich.