Was ist ein Schlager?

Was ist ein Schlager?

Was ein Schlager ist?
Wie können Sie fragen?!
Das kann Ihnen jeder Pennäler sagen!
Ein Schlager, das ist eine Melodie,
oder richtiger noch, begreifen Sie,
ein Tanz, ein Rhythmus, der jeden packte,
nein, eigentlich bloß ein paar zündende Takte
mit einem Text, in dem nichts vorgeht,
der aber jedem sofort ins Ohr geht,
ich seh schon, ich lass die Erklärung bleiben;
man kann’s nicht beschreiben, man muss es umschreiben.

Wenn Sie morgens in die Hochbahn treten
und hören den Schaffner lieblich flöten:
„Ich weiß, Du bist eine Heilige!“
Und der Bummler singt’s und der Eilige,
und im Café der Kellner verziert’s mit 'nem Triller,
und auf der Börse grölt es Herr Müller,
und selbst im Viertel der Konfektion
hört man es von den Mannequins schon,
teils auf dem Kontor und teils auf dem Lager,
das ist ein Schlager!

Wenn in zwanzig Millionen Familienschößen
Söhne und Töchter von allen Größen
auf zwanzig Millionen Sprechapparaten
(teils gegen bar und teils auf Raten)
spielen die neueste Schlagerplatte,
und es hilft nicht Betontür und Ohrenwatte,
und sie werden reif für die Gummizelle
und erschlagen zum Schluss mit der Maurerkelle
im Verfolgungswahn Onkel, Tante und Schwager,
das ist ein Schlager!

Wenn der Verleger stöhnt wie ein Kranker:
Die Nummer fasst nirgends so richtig Anker!
Und wenn der Verleger sagt den Autoren:
„Ich seh schon, der Vorschuss ist gänzlich verloren!“
Und wenn der Verleger mit sauren Mienen
schwört, mit Musik sei nichts zu verdienen,
und er würde den Tag, wo er umsattle, segnen
und dann fängt es doch an, Tantiemen zu regnen
- für’n Verleger fett, für den Autor mager -
seh’n Sie, das ist ein Schlager!

(Arthur Rebner)

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